Die Chicago Mercantile Exchange (CME) meldet für 2025 ein Rekordjahr im Rohstoffhandel. Auffällig ist dabei weniger „Rohstoff“ als Sammelbegriff, sondern der Schwerpunkt: Das Metallgeschäft wuchs besonders stark, und innerhalb der Metalle waren es vor allem die Edelmetalle, die den Ausschlag gaben. Genau dort, wo Privatanleger und Institutionelle seit Jahren nach Absicherung gegen Kaufkraftverlust, geopolitische Risiken und Währungsunsicherheit suchen, stieg die Aktivität am deutlichsten.
Die CME-Daten, die im Handelsblatt aufgegriffen werden, zeigen das Muster klar: Metalle legten gegenüber dem Vorjahr kräftig zu, Edelmetalle noch stärker. Gleichzeitig wuchs die Nachfrage nach Optionen – also Instrumenten, mit denen Marktteilnehmer Preisschwankungen gezielt managen.
Ein verbreiteter Irrtum lautet: Wenn Gold „läuft“, wird es ruhiger, weil viele es als sicheren Hafen betrachten. Die Realität in diesem Zyklus ist eine andere. Je mehr Marktteilnehmer in kürzerer Zeit handeln, desto stärker können Bewegungen werden – nach oben wie nach unten. Genau das beschreibt auch die jüngste Dynamik: Hedging-Nachfrage, mehr Retail-Zugang und eine sehr schnelle Reaktion auf Nachrichtenlagen führen zu einem Markt, in dem Absicherung selbst zum Treiber der Bewegung werden kann.
Ein Beispiel dafür sind Margin-Anpassungen: Die CME hat Anfang Februar erneut die Margin-Anforderungen für Gold- und Silber-Futures angehoben, nachdem es zuvor bereits mehrere Anpassungen in kurzer Folge gab. Für COMEX-Gold-Futures stiegen die Anforderungen bei bestimmten Kontoprofilen von 8% auf 9%, bei Silber von 15% auf 18% – ein klares Indiz, dass die Börse das Risiko aus der Volatilität aktiv managt.
Die im Handelsblatt zusammengefassten Veränderungen zeigen, wie breit der Schub war – und wo er am stärksten ausfiel.
| Segment (CME, Veränderung 2025 ggü. Vorjahr) | Veränderung |
|---|---|
| Metalle | +34% |
| davon: Edelmetalle | +56% |
| Kundensegment Retail | +34% |
| Optionen Energie | +16% |
| Rohstoffhandel Futures | +12% |
| Optionen Agrar | +10% |
| Optionen Metall | +7% |
Diese Struktur ist bemerkenswert: Edelmetalle wachsen stärker als der Metallkomplex insgesamt. Und Retail wächst ebenfalls deutlich, was typischerweise die Marktmechanik verändert, weil Positionierung, Zeithorizonte und Reaktionsgeschwindigkeiten heterogener werden.
Volatilität ist nicht nur „Unruhe“, sondern der messbare Ausdruck von Unsicherheit und Positionierungsdruck. In den Handelsblatt-Grafiken wird eine 90-Tage-Volatilität gezeigt, die für Silber deutlich höher ausfällt als für Gold – und zeitweise extreme Ausschläge zeigt. Das passt zu einem Markt, in dem Silber gleichzeitig Investment-Narrativ und Industriemetall ist und dadurch stärker auf Konjunktur- und Risikosignale reagiert.
| Volatilität (Beispiel aus der 90-Tage-Betrachtung) | Niveau |
|---|---|
| Gold (aktueller Wert in der Darstellung) | 33,5% |
| Silber (aktueller Wert in der Darstellung) | 87,7% |
| Kupfer (aktueller Wert in der Darstellung) | 33,9% |
| 5-Jahresdurchschnitt Gold | 15,2% |
| 5-Jahresdurchschnitt Silber | 28,3% |
| 5-Jahresdurchschnitt Kupfer | 26,7% |
Die Kernaussage ist nicht die exakte Zahl an einem einzelnen Tag, sondern die Richtung: Volatilität liegt deutlich über langfristigen Durchschnitten – besonders bei Silber.
Parallel zur Rekordaktivität zeigt sich ein zweiter Trend: Die CME bringt Kontrakte, die den Zugang erleichtern. So wurde Ende Januar ein neuer Rekord in Metalls-Futures und -Optionen gemeldet, und im Kontext starker Retail-Nachfrage wurde zudem die Einführung eines 100-Unzen-Silber-Futures angekündigt (Start Anfang Februar, vorbehaltlich regulatorischer Prüfung).
Auch die Optionen-Seite wächst sichtbar: Ein CME-Update zu Metalloptionen beschreibt für Goldoptionen zu Jahresbeginn 2026 eine hohe durchschnittliche Tagesaktivität (ADV) und verweist auf ein starkes Vorquartal 2025. Wenn mehr Marktteilnehmer Optionen nutzen, steigen typischerweise auch Absicherungsflüsse, die in hektischen Phasen Bewegungen verstärken können.
In einem Umfeld, in dem Rekordvolumina und sprunghafte Preisschwankungen gleichzeitig auftreten, wird eine Unterscheidung wichtiger: Preisbewegung ist ein Markt-Signal, aber nicht gleichbedeutend mit Stabilität. Wer Gold und Silber im Kontext von Inflation, Zinsen und geopolitischer Unsicherheit betrachtet, sollte deshalb zwei Ebenen trennen: die langfristige Funktion als realer Vermögenswert und die kurzfristige Marktmechanik, die durch Derivate, Margins und Positionierung geprägt ist.
Gerade die jüngsten Margin-Anhebungen zeigen: Wenn Volatilität steigt, steigen auch die Anforderungen an Risikomanagement – und das wirkt wiederum auf Liquidität und Handelbarkeit. Für Privatanleger heißt das vor allem, die eigene Zeitschiene und Risikotragfähigkeit sauber zu definieren, statt sich von kurzfristigen Ausschlägen treiben zu lassen.
Bleiben Sie weitsichtig
Ihr Helge Peter Ippensen
